Jürgen Lagger Home

… und diesen blog gibt es ja nur, weil ich mir dachte, als es zur Umgestaltung der homepage kam, dann gleich einen blog dazu, das ist total modern, macht die homepage gleich ein bisschen dynamischer, kostet nichts und tut wahrscheinlich nicht mal weh; und schließlich: Jeder Trottel hat ja heutzutage einen blog, warum also nicht auch ich, sogar Andreas Unterberger zB. hat einen blog, mit dem er angeblich sogar richtiges Geld verdient, "Das nicht ganz unpolitische Tagebuch“, so nennt er diesen blog, so witzig bin ich schon lange, dachte ich, auch wenn mein blog bis heute noch keinen so lustigen Namen hat.

 

Ein blog, das ist auch toll, dachte ich, da hat man so viele Möglichkeiten da kann man wirklich über ALLES schreiben, was einem so einfällt, und auch ganz unstrukturiert, weil das dann sogar dem Medium irgendwie entspräche, und dann schickt man es einfach raus ins große Netz und die ganze Welt, todo el mundo!, muss das dann lesen. Das ist also genau das Gegenteil von einem Tagebuch, fällt mir gerade auf, weil das ja eigentlich niemand lesen soll, vielleicht sollte man das Herrn Unterberger auch mal sagen, dass das ein Unsinn ist, das mit dem Tagebuch, oder ihn fragen, ob er sein Tagebuch früher auch alle hat lesen lassen, gegen ein bisschen Geld oder wer weiß was sonst.

Bei mir hat das mit dem Tagebuchschreiben ja leider auch nie wirklich geklappt: drei Einträge, als ich vierzehn oder so war, dann hab ich wieder aufgehört, weil mir das beim Schreiben und vor allem beim Lesen selber peinlich war und irgendwie dachte ich mir damals auch, das ist mehr was für Mädchen. Dann hab ich die paar Seiten aus dem Buch gerissen und verbrannt. Also hoffentlich verbrannt, bei dem Verbrennen bin ich mir nicht mehr so sicher, aber rausgerissen jedenfalls, daran kann ich mich erinnern. Dabei wäre Tagebuchschreiben noch einfach, Liebes Tagebuch! usw., und dann die übliche Mischung aus Alltagskleinigkeiten und Nabelbeschau. Aber ein blog? Mit der großen inhaltlichen Freiheit kommen ja auch gleich die großen Probleme, denn wo fängt man denn an, wie ringt man denn dieser unglaublich weitverzweigten Beliebigkeit da draußen ein paar konkrete Formulierungen ab, how to begin? Das ist vielleicht auch der Grund, dass Andreas Unterberger jetzt überhaupt in meinen Anfang hineingefunden hat, obwohl mich der Typ ja gar nicht interessiert.

Beginnen wollte ich nämlich eigentlich mit ganz was Anderem, also mit nichts Bestimmtem jetzt, aber jedenfalls mit etwas Anderem, und schon viel früher, in der Nacht vom ersten auf den zweiten April wollte ich beginnen; das wäre ein gutes Datum, dachte ich, aus subjektiver Sicht ein neues Jahr und dann nimmt man so einen blog einfach en passant mit. In dieser Nacht bin ich im Auto gesessen, in Richtung Süden, was jetzt toller klingt, als es ist, aber immerhin in Richtung Süden, nach V. also, ich allein im Auto und von W. viel zu spät weggekommen war es dann dunkel auf der Autobahn und kaum Verkehr. Das ist immer schön, weil dieses Dahinfahren im Dunkeln als Tätigkeit völlig ausreicht und die Einsamkeit eine abgegrenzte ist, mit der man gut umgehen kann. Am Armaturenbrett glomm wie seit Jahren die Kontrolllampe für den Airbag, von der ich immer dachte, sie bedeute, dass der Airbag aktiviert sei, von der mir der Mechaniker aber vor Kurzem mal erklärte, es sei eine Fehlermeldung, dass der Seitenairbag nicht funktioniere. Im CD-Spieler lief Fionn Regan, den R. mir mal nahegebracht hat, Be Good Or Be Gone, und dann kurz tatsächlich irgendwie das Gefühl, alles wäre gut, obwohl ich an R. denken musste, und dass er nicht da sei. Aber ganz ließ ich das nicht zu, denn ich wollte ja darüber nachdenken, womit ich, nach der Ankunft, meinen blog beginnen sollte; und dann fiel mir C. ein, mit dem ich vor nicht allzu langer Zeit eine gemeinsame Autofahrt unternommen hatte, auf der er nach einer gehörigen Weile Schweigens meinte, er möge Autofahren, weil man da so gut seinen Gedanken nachhängen könne, und ich meinte, ja, das stimme, und dann waren wir wieder still, bis zur Ankunft fast. Aber C. war jetzt auch nicht da, und mein Auto hat überhaupt gar keinen Seitenairbag, und plötzlich fangen dann in einem auch so Fehlerlämpchen zu glimmen an, für die Seitenairbags, die man gar nicht hat, für diese Abwesenheiten, die einen immer trauriger machen. Und plötzlich ist gar nichts mehr gut und vielleicht sollte man genau damit einen blog beginnen ...

 


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